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Nach den vergangenen Tagen sehnen wir uns nach Sonne und Wärme. Vielleicht erwischen wir ja noch die letzten Sommertage in Südschweden? So erreichen wir Bengtsfors in der Region Dalsland. Die eigentliche Saison endet hier zwar am Samstag, wenn auch die Schleusen schließen. Doch das sei kein Problem sagt uns der freundliche Kajak-Vermieter vom Silverlake-Camp. Mit einem kleinen Wagen kann das Kajak problemlos umgetragen werden. Das Wasser ist am Ende des Sommers natürlich noch schön warm und wir sind praktisch fast alleine unterwegs. Und so ist es dann auch. Nur mit den manchmal auffrischenden und wechselnden Winden sollen wir aufpassen. Deshalb entschließen wir uns auch nicht für eine der großen Rundtouren über Stora Le, Foxen und Lelang, sondern paddeln die kommenden 7 Tage vom Västra Silen in den Svärdlangen, den Östra Silen und wieder zurück. Speziell der Östra Silen mit seinen vielen kleineren Armen, Verästelungen, Inseln und Buchten bietet auch an windigen Tagen gute Bedingungen für Freizeit-Tourenpaddler wie wir es sind. Die wasserdichten Packluken schlucken schnell unser Gepäck und die Essensvorräte. Schön es diesmal nicht alles „buckeln“ zu müssen. Und da Platz vorhanden ist, nehmen wir doch gleich etwas mehr mit. Vom Camp in Krakviken starten wir bei bedecktem Himmel und sobald wir die windgeschützte Bucht verlassen… ein straffer Wind von Südost lässt uns den eigentlichen Plan schnell verwerfen und wir biegen ab Richtung Svärdlangen. So kommen wir auch gleich bei Skifors zur ersten Umtragestelle. Mit dem Kajak auf dem Wagen geht es zu Fuß kurz die Straße entlang, bevor wir wieder im Wasser einsetzen. Da der Svärdlangen nicht sehr breit ist, bietet er dem Wind keine so eine große Angriffsfläche. Die Wellen von schräg vorn paddeln wir am windgeschützteren Ufer südwärts. Zusätzlich immer den Schutz von Buchten, Landzungen und kleinen Inseln nutzend. Zwischendurch noch zwei Regenschauer doch am Abend steht das Zelt an einem der schön eingerichteten Übernachtungsplätze. Über den See schallt der markante Ruf des Prachttauchers als wir müde in die Schlafsäcke kriechen. In den nächsten Tagen erforschen wir bei immer besser werdendem Wetter den Östra Silen. Die Route täglich nach dem Wind ausgerichtet, paddeln wir vollkommen alleine über das Wasser. Bei der Sonne fällt auch die Mittagsrast länger aus und abends ein kleines Bad im See oder noch eine kleine Runde mit dem Kajak. Wir lassen es recht gemütlich angehen, paddeln trotzdem jeden Tag so um die 25 Kilometer. Das Trinkwasser können wir direkt aus den Seen nehmen. So klar und rein ist das Wasser hier. Ein Schwarm Kraniche zieht nach Süden. Sie sind schon von weitem zu hören, noch ehe die V-förmige Flugformation über uns zu sehen ist. In der Dämmerung beobachten wir Biber, die fast lautlos aus ihrer Burg heraus durch das Wasser gleiten. Und in der einen Nacht bekommen wir gleich zweimal Elchbesuch ziemlich nah. Es ist schon etwas komisch unmittelbar vor dem Zelt die Tritte der schweren Tiere in der Dunkelheit zu hören, ihr zufrieden rupfend-schmatzend klingendes Äsen. Was machen? Erst einmal ruhig lauschen. Sie nicht aufschrecken. Dann sich etwas bemerkbar machen, leise reden, an die Trinkflasche klopfen, den Reißverschluss vom Schlafsack öffnen, die Stirnlampe anschalten. Die Schritte entfernen sich rascher, Äste knacken laut. Als wir vor dem Zelt stehen, ist nur noch ein großer dunkler Schatten links auf der Lichtung zu erkennen. Rechts vom Wasser her hören wir einen weiteren Elch davon springen. Der Rest der Nacht ist recht unruhig. Richtig tief einschlafen kann keiner von uns. Für die nächsten Nächte wählen wir ab jetzt Übernachtungsplätze auf kleinen Inseln. Da haben wir morgens nur das Geschrei der Wasservögel. So verbringen wir im Östra Silen 5 Tage ohne andere Kajakfahrer oder Kanuten anzutreffen. Im Sommer wohl unvorstellbar hier. Und auch Mücken gibt es ab Ende August keine mehr. Über die längere Umtragestelle bei der Schleuse von Krokfors gelangen wir wieder in den Västra Silen und zurück zum Ausgangspunkt. Nach den langen Wanderungen im teils kargen Gebirge war diese Tour auf dem Wasser entlang grüner Wälder etwas ganz besonderes. Und auch die Art der Fortbewegung im Kajak – für uns ein schönes Unterwegssein.
Und wisst ihr was… als ich gerade diese Zeilen schreibe, kommt Bianca eilig gelaufen. Draußen auf der kleinen Lichtung vor dem Campingplatz steht eine ganze Elchfamilie. Ein Bulle mit mächtigen Schaufeln, zwei Jungtiere und die Elchkuh. So schön, da haben wir doch auch noch unser sichtbares Elcherlebnis im Dalsland.
Kurz-Info Dalsland:
- nordöstlich von Göteborg, zwischen Vänernsee und norwegischer Grenze gelegen
- Touristinformationen in Ed, Bengtsfors, Haverud, Mellerud und Åmål
- Dalslandkanal (mit einigen Schleusen) verbindet ein umfangreiches Seensystem
- Wassersport: ein- oder mehrtägige Kanu-/Kajaktouren, sehr gut ausgebautes System an Schutzhütten und Übernachtungsplätzen entlang der Seen
- Kanu-/Kajakvermietung u.a. in Krakviken (Silverlake-Camp), Bengtsfors, Gustavsfors, Haverud, Ed
- Wandern: Tagestouren in verschiedenen Naturreservaten (z.B. Schärengebiet am Vänernsee Yttre Bodane); 2-Tagestour Pilgrimsleden von Mellerud nach Edelskog (ca.50km)
- Landschaft: langgestreckte Seen, Wälder, leicht hügelig
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